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Endspurt im Wahlkampf

(03.10.2017) Wie die Zeit vergeht ... Die Kandidatenvorstellung liegt ja mittlerweile knapp zwei Wochen hinter uns und die potenziellen neuen Bürgermeister sind offenbar fleißig unterwegs, um die heimische Bevölkerung heimzusuchen. Da sich diese Artikelreihe vorwiegend mit den über Internet erkennbaren Aktivitäten befasst, wollen wir wieder mal einen Blick auf Facebook und die eigens erstellten Wahlkampfseiten werfen. Dabei fällt sofort ins Auge, dass

Catrin Hils
mittlerweile die Notwendigkeit gesehen hat, eine eigene Seite aus der Taufe zu heben. Analog zu ihrem Flyer ist die Farbgebung FDP-typisch in gelb und blau gehalten (die Älteren unter uns werden sich erinnern, die FDP ist ja mittlerweile Richtung lila abgedriftet), ob da eine geistige Verbindung besteht, ist nicht zu beurteilen und dürfte auf das Amt des Bürgermeisters ohnehin nicht abfärben. Nett zu sehen, dass sie nicht einfach die Inhalte ihrer Broschüre wiederholt, sondern sich etwas Neues hat einfallen lassen: ein "Tagebuch". Hier bringt sie seit dem 25.09. mindestens täglich (für einen Freitag sogar gleich drei Mal!) ihre Erlebnisse digital zu Papier, sehr persönlich verfasst mit immer wieder eingestreuten Hinweisen auf fachliche Kompetenzen, (fast schon übereifriges) Engagement und Verlässlichkeit sowie zum Teil nett bebildert mit passenden Schnappschüssen in akzeptabler Qualität, allerdings von der Dateigröße jenseits von Gut und Böse. Schlecht vor allem auch für Abrufe über Mobilfunk, obgleich die Seite schön responsiv gehalten ist. In Böhringen muss die Internetverbindung deutlich besser sein als in Teilen der Gesamtgemeinde Epfendorf. Erstellt ist die Seite übrigens mit RapidWeaver, einer Software für Mac. Haken an der Sache: keinerlei Social Media-Verknüpfung, fürs Teilen und Vernetzen auf entsprechenden Kanälen also völlig ungeeignet. Google hat die Webseite inzwischen zwar gefunden, sie steht dennoch mehr oder minder isoliert im Netz. Um das bis zum Wahltermin noch zu ändern, ist es zu spät, für einen eventuellen zweiten Wahlgang wäre noch Einiges zu tun, um das grade zu biegen. Wird nicht passieren, darf man annehmen. Aber wir schweifen ab.
Das "Tagebuch" nimmt inhaltlich also den breitesten Raum ein. Unter "Home" finden wir die direkte persönliche Ansprache ans Wahlvolk, unter "Zur Person" den beruflichen Werdegang samt Qualifikationen und einigen privaten Angaben. Beide Male verbunden mit der eindringlichen Aufforderung, Wünsche und Anregungen per WhatsApp an sie heranzutragen. Call-To-Action, wie man neudeutsch sagt, nicht schlecht und prominent platziert, so muss das sein. Dazu dann noch das "Kontakt"-Formular, um auf fast schon konventionelle Art mit Frau Hils zu kommunizieren. Komplettiert wird das Menü von "Impressum" und "Datenschutz" mit den üblichen Floskeln, die von irgendeiner anderen Webseite entliehen sind und inhaltlich wenig Relevanz haben dürften. Kein Hinweis auf irgendwelche Tracker, das nennt man verbraucherfreundlich. Spaßeshalber sollte man mal vom zitierten Auskunftsrecht Gebrauch machen und schauen, was da so zurückkommt.
Abschließend auf jeder Einzelseite der Hinweis "Ich freue mich auf Post von Ihnen." mit einem Link auf ihre Emailadresse. Wäre mal interessant, in welcher Menge das tatsächlich genutzt wird.

Auf Facebook hat sich bei Catrin Hils derweil öffentlich einsehbar nichts mehr getan, diesen Kanal nutzt sie nach wie vor nicht und das wird sich wohl auch nicht mehr ändern. Verschenktes Potenzial. Wenngleich man sagen muss: ihre Mitbewerber sind da zwar vertreten, man hätte das in allen Fällen aber deutlich professioneller aufziehen können.

Michael Jojade
Der Herr Jojade hat sich nach der Kandidatenvorstellung bei Facebook zunächst darauf beschränkt, Artikel des Schwarzwälder Bote zu teilen und mit freundlichen Beisätzen zu verzieren. Das erinnert so ein kleines bisschen an das Vorgehen eines ehemaligen Epfendorfer Bürgermeisters, der vor sechs Jahren nochmal kandidierte und im Internet dadurch auffiel, dass er standardisierte Einträge in die Gästebücher hiesiger Vereine streute. Aber das waren andere Zeiten ...
Sein Kurzinterview mit der Frau Danner hat er seltsamerweise nicht verlinkt, sondern eingescannt bzw. abfotografiert und dafür einen eigenen Beitrag spendiert. Dazu die schlaue Aufforderung an seine Leserschaft, ihn doch zu teilen. Ein gewisser Uwe K. ist dem nachgekommen, immerhin ein Anfang. Außerdem hat Michael Jojade seine Wahlkampftermine auf Facebook veröffentlicht, ebenfalls mit der Bitte um weitere Verbreitung. Bei inzwischen über 50 Abonnenten seiner Seite könnte da eigentlich mehr rumkommen, aber wie so oft scheint der Leser bequem zu sein und sich im Konsumieren zu erschöpfen.

Hubert Kogel
Was gibt's Neues von Hubert K.? Ein Blick auf seine Website verrät, dass auch er - wie seine Kollegen Jojade und Prilipp - Veranstaltungen in allen Ortsteilen abhält, die er prominent auf der Startseite bewirbt. Außerdem kann man seine Rede von der Kandidatenvorstellung inzwischen als PDF-Datei herunterladen. Daneben hat er einen neuen Menüpunkt "Meine Ziele" eingerichtet. In drei jeweils übersichtlich gehaltenen Absätzen führt er dabei seine Vorstellungen zu den Themen "Gemeinsam leben", "Gemeinsam wohnen" und "Gemeinsam arbeiten" aus. Alles eher allgemein gehalten, mit konkreten Maßnahmen möchte er seine Leser nicht quälen. Liest sowieso niemand in dieser kurzlebigen Zeit, wo nur noch geliked wird. Und da sind wir schon beim Stichwort Facebook angelangt, auf das Hubert Kogel seine Aktivitäten hauptsächlich verlagert hat. Wie beim Mitbewerber Jojade finden sich vor allem vom Schwabo verlinkte Artikel, seine Kommentare dazu nicht so anbiedernd, aber genauso kurz gehalten. Was will man auch groß schreiben? Fast schon Standard: Hinweise zu seinen Wahlkampfveranstaltungen. Obendrein ein Link auf ein Musikvideo von Andreas Gabalier mit dem vielsagenden Titel "Vergiss die Heimat nie". Passt natürlich zur Thematik seiner Kampagne, vom Musikstil sicher diskutabel und bei der Jugend mit einem gewissen Risiko von Punktabzügen. Und der österreichische Akzent mag irgendwie nicht zur hiesigen Umgebung passen.
Eine Besonderheit weist die Facebookseite noch auf: Hubert Kogel wurde mit fünf Sternen bewertet. Respekt! Leider hat der Bewerter, ein gewisser Andreas S., keinen weiteren Kommentar zu seinem Urteil hinterlassen, so bleibt das eine eher pauschale Angabe. Aber wie bei Amazon bedeuten fünf Sterne ja eigentlich, dass man bedingungslos zugreifen kann. Allein, die statistische Basis könnte etwas größer sein. Bei derzeit knapp über vierzig Abonnenten hinkt er dem Kollegen Jojade etwas hinterher.

Mark Prielipp
Kommen wir zum alphabetisch letzten Kandidaten Mark Prielipp, der seine Homepage ebenfalls ein wenig überarbeitet hat. Optisch fällt vor allem das neue Familienbild in der Rubrik "Über mich" auf. Freundlich aufgereiht stehen der Protagonist und seine Familie in sattgrüner Landschaft. Fast schon ein bisschen zu viel Farbe auf einmal, aber deutlich besser als manch andere Aufnahme. Dazu die strahlenden Gesichter und - fotografisch inakzeptabel - abgeschnittene Hände. Egal, Kleinigkeiten. Das ursprünglich hier platzierte Bild ist in die neue Rubrik "Meine Termine" gewandert, in der Mark Prielipp seine Infoveranstaltungen auflistet. Dazu noch ein Absatz "Ihr Kandidat in Aktion", aktuell bestückt mit einem Termin zur Blutspende und dem Schnitzen von Rübengeistern. Ob mir "mein" Kandidat da vielleicht auch einen eigenen Geist bastelt?
Heftig ausgebaut hat der Bewerber unterdessen seinen Punkt "Meine Ziele". Die ursprünglichen zwölf Punkte sind dabei konsequenterweise gleich geblieben, jetzt geht Mark Prielipp aber ins Detail und es wäre sicher nicht übertrieben, hier schon von einer Art Wahlprogramm zu sprechen. Ganz sicher will er uns in Anlehnung an einen alten Waschmittel-Werbespot sagen: Seht her, da weiß man, was man hat.
Und was geht bei Facebook so? Auch er teilt seine Infoveranstaltungen, verzichtet aber weitgehend auf die Verlinkung der Schwabo-Artikel. Stattdessen rückt er seine Aktivitäten in den Vordergrund, sozusagen der Mann vor Ort. Egal ob auf einer seiner Vorstellungstermine (ganiert mit Bildern aus Talhei... äh Talhausen und Epfendorf), bei der Feuerwehr, mit der Familie an der Harzwaldhütte oder demnächst dem Gemeinwohl dienend beim Blutspenden. Die Anzahl der Likes hält sich wie bei den Kollegen in Grenzen.
 

Und dann werfen wir noch einen Blick in die analoge Welt. Hier gibt es ja noch

Die Veranstaltungstermine der Kandidaten
Während Catrin Hils auf separate Veranstaltungen verzichtet und sich darauf konzentriert, die Leute vor der eigenen Haustür zu erwischen, halten ihre männlichen Konkurrenten munter Wahlreden in den hiesigen Lokalen und Vereinsheimen. Egal, was inhaltlich dabei rumkommt, man kann das nur begrüßen, kurbelt es doch gehörig den Umsatz an. Eine wirtschaftsfördernde Maßnahme sozusagen. Lässig wäre vielleicht auch eine Veranstaltung in einem der Jugendräume gewesen, danach sucht man aber vergebens. Man munkelt, der Peter habe das vor sechs Jahren gemacht und es sei gut angekommen bei der Zielgruppe.
 

Hausbesuch gefällig?
Nach allem, was man lesen kann, waren oder sind zumindest Catrin Hils, Michael Jojade und Mark Prielipp unterwegs zum Klinkenputzen. Zur Tür des Autors hat sich allerdings offenbar erst einer der Kandidaten verirrt, der aber schnell wieder abdrehte, als er keinen Erwachsenen vorfand, sondern einen - wenngleich wahlberechtigten - Jugendlichen. Wenn Sie Wert auf einen Besuch legen, rufen Sie den Kandidaten Ihrer Wahl doch einfach an:

Catrin Hils: 0176 - 42 61 02 86
Michael Jojade: 0162 - 63 72 95 0
Hubert Kogel: 0170 - 58 00 32 8
Mark Prielipp: 0173 - 60 20 32 1
 

Broschüren
Mittlerweile haben drei Wahlbroschüren auch den Weg in den heimischen Briefkasten gefunden. Hubert Kogel hat davon gleich zwei anfertigen lassen, doppelt hält besser. Die Flyer von Hubert Kogel und Mark Prielipp bringen inhaltlich keine neuen Erkenntnisse im Vergleich zu den Informationen, die man im Internet finden kann. Die Ausgabe von Mark Prielipp ist farbiger, von der Gesamtfläche jedoch nur ein Drittel so groß mit Schlagworten und Aufzählungen auf der Rückseite. Vom Layout ganz ansprechend, das Bild auf der Vorderseite etwas blass, unten links das Kreuz etwas abgedroschen, dafür Verbindlichkeit erweckend mit persönlicher Unterschrift. Auf der Rückseite wirkt der Kandidat unten rechts reingequetscht, das Ortsschild von Harthausen ist unvorteilhaft abgeschnitten. OK, das Wesentliche kommt rüber.
Ganz im Gegensatz dazu der Prospekt von Hubert Kogel: in leicht tristem blau bis grau gehalten, ist die Frontseite des zweifach gefalteten Papiers klar in seiner Aussage, kommt quasi wie ein Wahlplakat daher. Beim Aufklappen irritiert der viele Text, hier hätte eine kleinere Schrift mit mehr Struktur und Luft (vor allem Abstand zum Rand) gut getan. Andererseits haben Menschen mit einer Sehschwäche durch die großen Buchstaben weniger Probleme mit dem Lesen. Die Adresse oben in der Mitte verliert sich ebenso wie die Überschrift und die Telefonnummer auf der Rückseite. Zwei in schwarz-weiß gehaltene Bilder vertikal mittig platziert drücken die Sehnsucht nach der guten alten Zeit aus. Hubert Kogel sieht sich ein Stück weit als "Bewahrer", insofern passt das. Sieht aber recht konservativ aus. Es gibt viel zu lesen, keine Aufzählungen, keine sonstigen grafischen Elemente. Informationsvermittlung pur. Nicht modern, irgendwie alternativ.
Von der Papierstärke und der Druckqualität schenken sich beide Bewerber auf den ersten Blick nichts, wenngleich der Flyer von Hubert Kogel durch den Falz und in Kombination mit dem Layout und der Farbgebung subjektiv weniger wertig wirkt.

Und dann hätten wir da noch die Frau Hils, die sich mit ihrer Broschüre mal so richtig ins Zeug gelegt hat. Auf acht geschlagenen Din A5-Seiten breitet sie die Informationen aus, die sie für wichtig hält. Allein vom Format und der Aufmachung her lädt das Teil dazu ein, sich im Wohnzimmersessel zurückzulehnen und in aller Ruhe darin zu blättern. Das Papier ist logischerweise dünner, liegt aber angenehm und fast schmeichelnd in der Hand. Die Frontseite wird dominiert von einem großen Bild der Kandidatin, das sie fast hemdsärmelig in Holzfällermanier zeigt. Das Brückengeländer und das Karomuster schmeicheln nicht eben der Figur, das hätte man anders lösen können. Andererseits verstellt sie sich nicht, gibt sich bodenständig und ehrlich. Daneben Adresse und Kontaktinfos sowie der etwas leichtfertige Spruch "Suchen Sie bei Google nach 'Catrin Hils'". Zum Zeitpunkt der Verteilung des Flyers kam da leider nicht viel, inzwischen hat sie ja ihre eigene Website (die aber aktuell erst auf der zweiten Suchergebnisseite erscheint).
Im Inneren des Prospekts findet sich eine stimmige Mischung aus Bildern und Texten, nett platziert. Etwas irritierend, dass Catrin Hils den Leser mehrmals direkt anspricht und an anderer Stelle in der dritten Person über sich berichtet. Die Aufnahmen haben eine angenehme Farbtemperatur, die in die Bilder integrierten Sätze könnten etwas kürzer ausfallen. Ortsansichten von Epfendorf und Harthausen sind vorhanden, Trichtingen und Talhausen kommen - wie auch auf der Website von Mark Prielipp - zu kurz. Allgemein scheint Trichtingen rein optisch bei den beiden Kandidaten einzig aus dem Werbeschild für den Schroten zu bestehen. An dieser Stelle vielleicht etwas Eigenwerbung.
Persönliche Akzente werden durch die Unterschrift und Bilder auf dem Trichtinger Markt sowie zusammen mit ihrem Ehemann gesetzt, dazu der Lebenslauf. Die Überschriften sind nicht durchgängig, einmal blau auf gelb, dann - etwas kleiner - blau auf weiß. Formalien. Wird keinem auffallen. Ziele werden punktuell angerissen, auf acht Seiten hätte man mehr unterbringen können. Insgesamt aber ganz süffig zu lesen. Wer mehr Fragen hat, lauert auf einen Hausbesuch oder fängt sie beim Einkaufen ab.

 

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