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Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl

(22.09.2017) Am 21.09.2017 war es soweit: Die Kandidaten zur Bürgermeisterwahl 2017 hatten in der vollbesetzten Albblickhalle in Harthausen ihren großen Auftritt und präsentierten sich dem Wahlvolk.

Blick ins Publikum
Die Albblickhalle ca. 15 Minuten vor Beginn der Veranstaltung. Der Publikumsandrang war enorm, bei Veranstaltungsbeginn mussten zahlreiche Beuscher mit Stehplätzen vorlieb nehmen..

Uwe Mei und Holger Berndt
Vom ersten und zweiten Bürgermeisterstellvertreter Uwe Mei und Holger Berndt souverän moderiert, hatten Mark Prielipp, Catrin Hils, Hubert Kogel und Michael Jojade zunächst jeweils 20 Minuten Zeit, sich und ihre Ziele einzeln vorzustellen (die Mitbewerber mussten währenddessen im Feuerwehrgerätehaus warten, um sich keine kurzfristigen Vorteile verschaffen zu können). Die Reihenfolge richtete sich nach dem Eingang der Bewerbungen.


Mark Prielipp

Mark Prielipp

In elegantem Anzug mit hellblauer Krawatte tritt er ans Rednerpult, vor sich einige Blätter, die er eher beiläufig als Gedankenstütze nutzt und im Wesentlichen frei und mit dem Blick zum Publikum gewandt spricht. Anfangs sehr bedächtig und in einwandfreiem Hochdeutsch seinen Lebenslauf aufzählend, gewinnt er schnell an rednerischer Souveränität und überschüttet die Zuhörerschaft mit der Aneinanderreihung seiner Kompetenzen. Als aus Ostdeutschland Zugezogener weist er nebenbei darauf hin, gut in seine Wahlheimat integriert und in der Region vernetzt zu sein. Schwerpunkte seiner Arbeit als Geschäftsführer des LEADER-Programms siedelt er in der Entwicklung des ländlichen Raumes wie Wirtschafts- und Innovationsförderung, Tourismus, Landschaftspflege und Nachhaltigkeit an, was er in einer Vielzahl von zumeist lokalen Projekten bereits umgesetzt hat. Er hebt dabei zahlreiche Kooperationen mit hiesigen Bürgermeistern hervor, seine Arbeitsweise ist nach eigenen Worten durch seine Ausbildung zum Diplom-Ingenieur von rationalem Handeln geprägt. Als aktives CDU-Mitglied sei er auch politisch erfahren, seine Verbindungen reichten bis in Landesministerien. Er rede Klartext. Auch in von ihm angebotenen Bürgergesprächen, die in den verbleibenden Wochen in allen vier Ortsteilen stattfinden sollen. Sein Führungsstil komme bei seinen Mitarbeitern gut an.

Bezogen auf die Situation in der Gemeinde stellt er fest, dass Bauland und Wohnungen fehlten, so dass junge Leute abwandern. Hier sieht er, vor allem auch mit Blick auf in diesem Bereich aktiven Nachbargemeinden, Handlungsbedarf. Ebenso sei die Einkaufssituation nicht zufriedenstellend und die Wasserleitungen marode. Die Konzession für die Kläranlage in Talhausen laufe 2019 ab, auch hier müsse eine Lösung gefunden werden.
Eine neue Homepage sei nötig, um die Kommunikation mit den Bürgern und den Bürgerservice auszubauen. Ein Verkehrsleitsystem sei wünschenswert, der Dorfplatz in Talhausen stehe zur Umgestaltung an, die Schulen in Epfendorf und Trichtingen müssten saniert werden, ebenso das Feldwegenetz. Neue Radwege sollten entstehen. Für all diese Maßnahmen gebe es bislang einen Investitionsstau, so dass die derzeit niedrige Pro-Kopf-Verschuldung von rund 200 € ansteigen werde. Die Situation im neuen Gewerbegebiet Schroten bezeichnet Mark Prielipp als ungenügend, da es bislang nur mündliche Zusagen über die Ansiedlung neuer Betriebe gäbe. Sinnvoll sei es, die Vermarktung des Gewerbegebiets wieder in die eigene Hand zu nehmen, auch um eine wahllose Ansiedlung unerwünschter Betriebe bspw. mit hohen Lärmemissionen zu verhindern.

An dieser Stelle schiebt Herr Prielipp persönliche Fähigkeiten ein. Er wirbt für neue Ideen und Impulse mit seiner Projektkompetenz, Erfahrung, langem Atem und Beharrlichkeit, Ausdauer sowie dem Interesse an langfristigen Lösungen. Angebote müssten an definierte Zielgruppen wie junge Familien gehen, bspw. Betreuungs- und Bildungsangebote und damit einhergehende gute Ausstattung, eine lebenswerte Umgebung für Senioren, Stärkung des Ehrenamts und der Vereine, Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs und ökologischer Energien. Als Finanzierungsquelle nennt er die Gewerbesteuer, daher sei schnelles Internet als Standortfaktor wichtig. Die Gemeinde müsse ein aktives Marketing betreiben, strategische Entscheidungen müssten im Gemeinderat gefällt werden. Als weitere Punkte nennt Mark Prielipp gute Angebote im naturnahen Tourismus, Sport- und Freizeitmöglichkeiten. Ziel sei die Gestaltung der Heimat durch Bürgerbeteiligung, Transparenz und lösungsorientiertes Denken und Handeln. Strategisch klug streut er immer wieder den Verweis auf Fördermöglichkeiten ein, mit denen er sich offensichtlich auskennt.

Abschließend hebt er nochmals seine Gesamtkompetenz hervor und verweist auf seine soziale Einstellung, die er als evangelischer Christ lebt.

Fazit: Der Pragmatiker. Immer sachlich, mit hoher beruflicher Qualifikation und Kompetenz für das Amt, an manchen Stellen fast schon staatstragend.

 

Catrin Hils

Catrin Hils

Frau Hils betritt als zweite Protagonistin die Bühne. In modernem Anzug und blauem Hemd gewandet, verschwindet sie ein wenig hinter dem scheinbar nicht höhenverstellbaren Rednerpult. Hier sollte die Gemeinde nachbessern, um zukünftig Chancengleichheit herzustellen. Zudem stört wie schon bei Mark Prielipp die unnütz herumstehende Mikrofonhalterung die freie Sicht auf die Kandidatin. Aber kommen wir zum Inhalt:

Während ihrer gesamten Rede vom Blatt ablesend, dabei aber stets um korrektes Hochdeutsch bemüht, breitet Frau Hils zunächst recht ausführlich ihren Lebenslauf vor dem Publikum aus und bringt so eine persönliche Note ein. Kompetenz weist sie durch Ihre Tätigkeit beim Stadtbauamt der Stadt Sulz aus, durch die sie gute Kontakte zu Planern und dem Landratsamt hat. Durch die ihr unterstellten Auszubildenden nennt sie Führungsqualitäten ihr Eigen. Auch sie legt Wert auf die Ausschöpfung von Fördermitteln ("Maximum herausholen") und verspricht Kontinuität im Amt. Handlungsbedarf sieht sie vor allem beim Wohnbau, wobei sie zu bedenken gibt, dass die Rahmenbedingungen ausweisbarer Fläche schwierig sind. Als weitere Aufgabe nennt sie die Ansiedlung neuer Unternehmen, um die Gewerbesteuer und damit die Gemeindeeinnahmen zu erhöhen. Frau Hils möchte beide Grundschulen erhalten und Senioren gut betreut wissen. Bei der Lebensmittelversorgung kann sie sich ein genossenschaftliches Modell vorstellen, wobei die Gemeinde die Initiative ergreifen müsse, damit die Grundversorgung gewährleistet ist. Als positives Beispiel nennt sie den Laden in Sigmarswangen. Sie gibt aber zu bedenken, dass auch die Bürger mit ihrem Kaufverhalten entscheidenden Einfluss nehmen. Die vorhandene Infrastruktur bezüglich Kindergärten, Banken und Ärzteversorgung hebt Frau Hils positiv hervor.

Bürgernähe ist ihr ein wichtiges Anliegen, hierfür plant sie regelmäßige Bürgerstammtische in allen vier Ortsteilen, die gleichwohl nicht auf Stammtischniveau, sondern konstruktiv ablaufen sollen. Das Vereinsleben sieht sie intakt, kann sich aber gleichwohl aus praktischer Erfahrung im Gesangsverein in die Belange der Vereine hineindenken. In diesem Zusammenhang erwähnt sie in einer persönlichen Note, dass ihr das Reden vor Publikum eine Ehre sei. Analog zum Neckarstrand in Sulz oder dem Rottweiler Ferienzauber plädiert Catrin Hils für ein Ferienprogramm, das Aktivitäten für alle Generationen anbietet. Lobend erwähnt sie das Ehrenamt, als Beispiel führt sie hier die Bepflanzung der Ortseinfahrt Trichtingen an, die vom Verein Landleben übernommen wird.

Frau Hils gesteht offen zu, dass sie im Fall einer Wahl in Böhringen wohnen bleiben werde und sie hierin keinen Nachteil sehe, wie Beispiele aus der Umgebung belegen. Sie möchte die einzelnen Teilorte aufwerten und so für ein gutes und belebtes Miteinander sorgen. Von Bürgern im Vorfeld auf Probleme angesprochen (die sie an dieser Stelle nicht näher ausführen möchte), will sie konstruktive Lösungen nach Anhörung aller Beteiligten finden.

Sie findet Frauen in der Politik und insbesondere im Amt des Bürgermeisters deutlich unterrepräsentiert und belegt dies mit Zahlen aus Baden-Württemberg. Frauen würden grundsätzlich als kommunikativ wahrgenommen, was sie als positiv für das Amt sieht. Sie ist parteilos und somit unabhängig, ergreift aber auf jeden Fall Partei für die Gemeinde. Daneben beschreibt sie sich als engagiert, eifrig und mit organisatorischen Fähigkeiten, zudem als offen, ehrlich, transparent und bürgernah. Sie möchte Lösungsansätze erarbeiten, Brücken bauen und die Generationen zusammenführen, insgesamt also das Bestmögliche im Sinne der Bevölkerung erreichen. Frau Hils hebt nochmals ihre Arbeit im Kirchenchor hervor und kann sich eine Zusammenarbeit mit Gemeinderat und insbesondere dem stellvertretenden Bürgermeister Uwe Mei gut vorstellen, dem sie unter dem Lachen der Anwesenden zuruft: "man könnte meinen, wir hätten sogar denselben Friseur".

Fazit: die einzige Frau in der Runde, bodenständig, mit fachlichem Hintergrund, kommunikationsfreudig. Setzt auf gute Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat.

 

Hubert Kogel

Hubert Kogel

Eine Mischung aus Selbstsicherheit, Erhabenheit, gepaart mit einer gewissen Lässigkeit kennzeichnet seinen Gang, als er sich Richtung Bühne begibt. Man kann nicht behaupten, er hätte sich overdressed, wenngleich die Kombination aus Jeans, feingestreiftem Sakko und dem über der Hose getragenen Hemd stimmig wirkt. Hubert ist einer "von uns", Kleider machen bei ihm keine Leute, er gibt sich schon optisch volksnah. Dazu passt die Betonung aufs Schwäbische, er duzt "sein" Publikum, das vermittelt ein Wir-Gefühl. Ein kurzer Abriss seines bisherigen Werdegangs, er ist Kommunikationsberater in verschiedensten Branchen, hat kleine und große Firmen als Kunden und arbeitet an unterschiedlichsten Projekten. Er ist netzwerkfähig. Hat keinen Verwaltungshintergrund, sieht das aber nicht als Nachteil, man denke an Peter Boch. Dann sehr persönliche Worte zu dem, was er bereits im Vorfeld von sich preisgegeben hat und was man eigentlich nur seinen besten Freunden anvertraut. So gesehen gibt er der Zuhörerschaft einen Vertrauensvorschuss. Überhaupt steht Vertrauen bei ihm ganz oben auf der Prioritätenliste. Er kommt nicht mit schnöden Fakten daher, für ihn zählen Werte. Vertrauen. Charakter und Identität. Identität statt Beliebigkeit. Diese Werte hält er hoch und will sie in seiner Wahlheimat bewahrt wissen. Als Schwerpunktthemen sieht er Leben, Wohnen und Arbeiten. Die Teilorte sollen ihren eigenen Charakter bewahren, auch den Nachbargemeinden gegenüber. Er möchte eine unverwechselbare Gemeinde, in der sich Durchreisende wohl fühlen und gerne wiederkommen. Er möchte, dass die Auswärtigen gewissermaßen neidisch werden.

Hubert Kogel wünscht sich ein Miteinander statt eines Gegeneinanders. Als Beispiel nennt er das heiße Eisen Feuerwehr. Jeder sollte Kamerad sein, auf den man sich verlassen kann, selbst wenn man den anderen persönlich nicht so mag. Im und außerhalb des Einsatzes. Gemeinsam ist ein weiteres Prädikat, das er schätzt. gemeinsam arbeiten, gerne auch neue Firmen in den Ort holen, aber dafür sorgen, dass es den bereits hier ansässigen Unternehmen gut geht und sie fördern, damit der Ort für junge Leute attraktiv ist und sie hierbleiben oder wiederkommen. Hierfür sieht er die Wirtschaftsförderung im Verbund mit den umliegenden Gemeinden, dem Kreis und Wirtschaftsförderern als geeignetes Instrument, um Wettbewerbsvorteile herzustellen.

Thema gemeinsames Wohnen: auch hier legt Hubert Kogel den Schwerpunkt auf die einheimische Bevölkerung und nicht in erster Linie auf den Zuzug von außen. Einrichtungen zu Versorgung, Freizeit und Tourismus sind ihm wichtig, vielleicht nicht alle direkt im Ort, aber doch in ereichbarer Nähe. Wie die anderen Kandidaten sieht er in den Vereinen einen Garanten für ein lebendiges Miteinader und hält eine bestmögliche Unterstützung für erforderlich. Nötig sei Motivation für Kinder und Jugendliche, über die auch die Eltern enger angebunden werden könnten.

Trotz Sparzwang müssten vorhandene infrastrukturelle Angebote erhalten und weiter ausgebaut werden. Als Beispiel hält auch er einen Lebensmittelladen auf genossenschaftlicher Basis für denkbar, ggf. kombiniert mit fahrenden Geschäften, die die Nahversorgung sicherstellen. Als weiteres Thema nennt er den öffentlichen Personennahverkehr. Dann kommt er nochmals auf die Freizeitangebote zu sprechen, bei denen er neben Wandern, Radfahren und Nordic Walking einen Mountainbike Downhill Trail vorschlägt und die hiesigen Reiterhöfe stärker einbeziehen will. Das Ganze auf ökologisch verträglicher Basis.

Zum Abschluss seiner Rede betont Hubert Kogel nochmals seine Verbundenheit mit den hiesigen Menschen, die der Antrieb für seine Bewerbung seien. Auch er wolle in der nächsten Zeit Bürgergespräche in allen Ortsteilen abhalten und stehe an zwei Tagen in der Bäckerei Stickel zum Verkauf hinter dem Tresen.

Fazit: der emotionale Kandidat, der auf der persönlichen Ebene punktet. Aufgrund seines beruflichen Hintergrundes hätte man einen rational-strategischen Ansatz erwarten können, stattdessen stehen Leidenschaft und die Liebe zu Ort und Leuten im Vordergrund.

 

Michael Jojade

Michael Jojade

Seines Zeichens Vertriebs- und Immobilienfachmann, ist Michael Jojade als letzter Bewerber an der Reihe. In dunkelblauem Anzug, weißem Hemd und vornehmlich hellblauer Krawatte bewegt er sich zügig ans Rednerpult, seine Brille in Doktormanier halb auf die Nase heruntergeschoben. Auch er mit einigen Notizen, aber in freier Rede, wechselt er zwischen persönlicher und förmlicher Anrede, schwankt zwischen Hochdeutsch und Dialekt. Wie die vor ihm gestarteten Kandidaten erzählt Herr Jojade zunächst etwas aus seinem Lebenslauf. Geboren in Oberndorf, fühle er sich in der Gemeinde wohl und ihm läge sein Umfeld sehr am Herzen. Er beschreibt sich als jederzeit hilfsbereit, ist unabhängig, da parteilos und bezeichnet sich als Schaffer und Kämpfer. Er möchte das Vereinsleben aufrecht erhalten, dankt insbesondere den Helfern in den Vereinen und wird in Zukunft wohl nicht ums Männerturnen herumkommen, wie er selbst meint.

Dann nennt er die aus seiner Sicht bestehenden Probleme, die man bereits mit kleinem finanziellen Aufwand lösen könne. So die Sanierung der beiden Grundschulen oder die Instandhaltung der Albblickhalle an der Außenwand. An seinem eigenen Haus könne man sehen, was möglich sei.

Anschließend zählt Michael Jojade seinen 18 Punkte-Plan auf: die Projekte, die Peter Boch angestoßen habe, zu Ende bringen, Ausbau des Internets, Vermarktung des Gewerbegebiets Schroten (wobei die Gemeinde den Verkauf in die eigenen Hände nehmen müsse), Entwicklung der "Gemeindemarke" Epfendorf, Ansiedlung von Unternehmen, eine Initiative "Bürger für Bürger", die Sanierung des Kanalnetzes, die Beseitigung der Engstelle zwischen Harthausen und Epfendorf, die Optimierung des Winterdienstes, die Ausweisung von Bauplätzen von Trichtingen Richtung Harthausen, Schaffung von Wohnraum für Senioren über 60, den Erhalt der Grundschule Trichtingen, die Unterstützung der Vereine und deren Eigeninitiative sowie die Umgestaltung der Gemeindehomepage mit intuitiver Benutzerführung und der Wiedereinführung eines Kummerkastens. Amtsgänge sollten online in Kombination mit dem elktronischen Personalausweis möglich sein, der Bürgerbus müsse nochmals neu angegangen werden. Das Rathaus müsse zur Dienstleistungszentrale werden und die Einkaufsmöglichkeiten vorhanden sein. Zudem wolle er unangenehme Dinge wie bspw. das Thema Feuerwehr neutral angehen.
Abschließend beschreibt sich Michael Jojade als direkt, er komme schnell auf den Punkt und wolle sich für die Menschen von hier einsetzen.

Fazit: der praktisch veranlagte Kumpeltyp, der sich nicht zu schade ist, auch mal selbst handwerklich mit anzupacken. Mit jovialer Ader versehen, volksnah und gerne zu einem Scherz aufgelegt.

 

Die Kandidaten zur Bürgermeisterwahl 2017 auf dem Podium

Nach kurzer Pause folgte eine Podiumsdiskussion, bei der die Bürger Fragen an die Kandidaten stellen konnten. Themen waren schwerpunktmäßig die Ausweisung neuer Baugrundstücke, das Gewerbegebiet Schroten, ein Diskurs zum Bauhof, der weiterhin bestehende Schwerlastverkehr durch Trichtingen, der Ausbau der digitalen Infrastruktur, die Situation des Trinkwassernetzes sowie die Lage bei der Feuerwehr.

Neues Bauland:
Einig war man sich, dass als Vorgabe des Regierungspräsidiums Innenbebauung vor Außenbebauung gehe. Catrin Hils hatte im Vorfeld recherchiert und sieht ebenfalls eingeschränkten Handlungsspielraum, zumal die Teilorte von Landschaftsschutzgebieten und Biotopen umgeben seien. Weiter denkt sie an Zuschüsse und kostensparende Mehrfamilienhäuser. Auch Hubert Kogel sieht das vorrangige Ziel im Füllen von Baulücken und verweist auf nachhaltigen Umwelt- und Naturschutz, denn zusätzliche Bebauung gefährde Identität und Charakter der Orte. Das Füllen von Baulücken gestalte sich laut Michael Jojade schwierig, da Grundstücke oder Altbauten, die auch er gerne in kostensenkende Mehrfamilienhäuser umwandeln würde, meist im Privatbesitz sind, auf den die Gemeinde keinen Zugriff habe. Die Besitzer würden die Gebäude oder Grundstücke in der aktuellen Phase der Null-Zins-Politik zudem als Wertanlage betrachten. Er könne sich aber eine Ausweitung der Bebauung über dem Märchenwald in Epfendorf vorstellen. Mark Prielipp ergänzt, dass ein Leerstandskataster ein hilfreiches Instrument sein könne und Fördergelder nur bei Innenbebauung zu bekommen seien. Zudem hält er finanzielle Anreize für junge Familien mit Kindern in Form von Prämien für denkbar und regt ein Brainstorming im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung an. Den Vorschlag eines Fragestellers, die Ortsteile Epfendorf und Harthausen baulich zusammenwachsen zu lassen, auch um mehr Gemeinschaft herzustellen, hielten alle Bewerber allein aus genehmigungstechnischer Sicht für nicht durchsetzbar.

Gewerbegebiet Schroten:
Mark Prielipp nennt als Ziel die Ansiedlung arbeitsplatzintensiver, jedoch umweltschonender Betriebe. Hier seien Gemeinderat und Bürgermeister gefragt und müssten entsprechende Kontakte knüpfen. Catrin Hils sei zu Ohren gekommen, dass ein Bauplatz bereits verkauft wäre und ein Baugesuch eingegangen sei, die Sache laufe also an. Hubert Kogel regt eine überregionale Wirtschaftsförderung an sowie die Kontaktaufnahme zu interessanten Firmen. Er könne dies gezielt angehen. Aktuell habe die Gemeinde die Vermarktung allerdings aus der Hand gegeben, gibt er zu bedenken. Michael Jojade bringt seine Kontakte aus der Immobilienbranche ins Spiel, verweist auf ein ähnliches Projekt in Tuningen und möchte Unternehmen mit lokalem Bezug ansiedeln, die im Unterschied zu Großkonzernen auch vor Ort ihre Gewerbesteuer zahlen. Ziel dürfe es nicht sein, eine riesige Halle mit nur wenigen Mitarbeitern zu installieren. Auch er plädiert dafür, die Vermarktung wieder in Gemeindehand zurückzuholen, was möglich sei, wenn die Grundstücke noch nicht verkauft sind.


Mark Prielipp

Thema Bauhof:
Einige Wortmeldungen zeigten sich unzufrieden mit der Arbeit des Bauhofs. Alle Kandidaten wenden hier ein, dass der neue Bauhofleiter erst seit kurzer Zeit im Amt sei und man Geduld haben müsse. Die angefallenen Überstunden zeigten, dass der Bauhof sehr engagiert arbeite. Catrin Hils räumt ein, dass mehr Personal an dieser Stelle zwar wünschenswert, aber nicht bezahlbar sei. Michael Jojade meint, man müsse einfach anpacken. Mark Prielipp verweist auf ein ausführliches Gespräch mit dem Bauhofleiter und zeigt sich von dessen Engagement voll überzeugt.

Verkehrbelastung in Trichtingen:
Thematisiert wurde auch der Schwerlastverkehr durch Trichtingen im Zuge von Stuttgart 21. Alle Bewerber loben zunächst die Bemühungen, die zur separaten Autobahnausfahrt geführt und damit den Innerortsverkehr um die Hälfte reduziert hätten. Als weitere Maßnahmen werden Geschwindigkeitsreduzierungen in Form von Tempo 30, ein Kreisverkehr in Trichtingen (Prielipp) oder Verkehrsinseln (Kogel) ins Spiel gebracht. Michael Jojade hält eine zusätzliche Autobahnauffahrt für die Lkw für wünschenswert.


Catrin Hils

Bindung junger Familien und Kinder an die Gemeinde:
Catrin Hils nennt hier die Einrichtung einer weiterführenden Schule als Ansatz, auch Michael Jojade plädiert für die Wiederbelebung einer Werkrealschule, wie sie bereits früher bestand. Demgegenüber hält Mark Prielipp ein solches Vorhaben aus landespolitischen Zwängen für nicht durchführbar und sieht die Qualität der Bildungseinrichtung als wichtigsten Faktor. Zudem sollten sich manche Eltern überlegen, ob es sinnvoll sei, ihre Kinder nach Villingendorf anstatt nach Epfendorf zu schicken. Auch Hubert Kogel hält einen Ausbau der Schulen für nicht realisierbar, stattdessen sollten anderweitige Angebote erhalten und neu geschaffen werden. Der öffentliche Personennahverkehr sei wesentlich, damit die Kinder in den Vereinen vor Ort aktiv bleiben könnten.

Ausbau der digitalen Infrastruktur:
Hubert Kogel hält einen Ausbau schon aus privatem Interesse, aber vor allem auch wegen der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen, für absolut notwendig und wird sich entsprechend einsetzen. Michael Jojade sieht die Zukunft in Glasfaser. Catrin Hils betont, dass das Land das Thema Breitband auf der Agenda habe und bereits Fortschritte erzielt wurden, jedoch noch schneller gehen könnte. Mark Prielipp erläutert, dass das erste Ziel im Ausbau auf 30 MBit/s liege, dies aber nur ein Zwischenschritt sei und 100, später auch 200 MBit/s angepeilt seien. Im Gewerbegebiet Schroten existiere bereits Glasfaseranschluss. Er werde sich hier beim Landratsamt für einen zügigen Ausbau einsetzen.

Hubert Kogel


Sanierung der Trinkwasserleitungen:
Michael Jojade sieht die Sache pragmatisch. Mark Prielipp sitze hier an der Quelle, um Gelder abgreifen zu können, er selbst würde sie als Bürgermeister entsprechend einsetzen. Mark Prielipp weist dagegen darauf hin, dass ein Kataster über die Wasserleitungen fehle, was letztendlich zu Flickschusterei bei der Behebung von Störungen führe. Hier sei die Sanierung der entsprechenden Infrastruktur erforderlich, wobei Fördermittel denkbar seien. Catrin Hils macht geltend, dass zunächst die Schäden aufgenommen und geprüft werden müssten, um sinnvolle Maßnahmen einleiten zu können. Teilweise seien auch Abklärungen mit privaten Grundstückseigentümern erforderlich, die eine Umsetzung verzögern könnten.

Zusammenführung der Feuerwehr:
Für Mark Prielipp hat das Thema oberste Priorität, zumal es hier im Zweifel um Menschenleben gehe. Das Führen sei Aufgabe des Bürgermeisters. Er wolle einen Kameradschaftsabend abhalten und Einzelgespräche führen. Auch Catrin Hils spricht sich für intensive und unvoreingenommene Einzel- und Gruppengespräche aus, um zu einem Konsens zu gelangen. Sie betont, dass die Feuerwehr eine Gemeindeaufgabe sei. Hubert Kogel verweist an dieser Stelle auf die entsprechenden Ausführungen in seiner Rede und Michael Jojade möchte ebenfalls Einzelgespräche mit den Feuerwehrmännern führen. Er plädiert hier für einen kooperativen und motivierenden Führungsstil und fügt an, dass diese Thematik ausschlaggebend für seine Kandidatur sei.

 

Michael Jojade

Die Kandidaten zur Bürgermeisterwahl 2017 auf dem Podium
Einträchtig sitzen die Kandidaten beisammen.

Uwe Mei und Holger Berndt
Uwe Mei und Holger Berndt lauschen den Fragen aus dem Publikum.

Blick auf das Podium
Kurz vor Ende der Veranstaltung.

 

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